Freitag, 4. März 2016

Reisen während dem zweiten Mid-Term break Teil 1: Kilkenny und Nord Irland



Diese Woche habe ich gaaanz viel gesehen und gemacht!! Ich bin mit dem Ralf, einem anderen deutschen, mit dem Auto in den Norden Irlands gefahren und dort ganz viel erlebt. Aber 2 Tage zuvor habe ich noch eine Tagestour nach Kilkenny gemacht. Kilkenny ist mit dem Bus ca. 2 Stunden von Dublin entfernt und ist ein sehr altes und verschlafenes Städtchen. Es hat mich ein wenig an Koblenz erinnert. Die Hauptattraktion ist das Kilkenny Castle, ein 800 Jahre altes Schloss. Das Schloss wurde 1195 von einem „Earl Marshall“ gebaut. „Earl“ ist die Britische Variante vom deutschen „Graf“ und in der Adelshierarchie ungefähr auf Platz 6. 1391 wurde es dann von einem „Earl James Butler“ gekauft. Die Familie lebte im Schloss bis 1935 und hat es dann 1967 für 50 Pfund an den Staat verkauft. Deswegen war das meiste, das man im Schloss besichtigen konnte sehr neu, meist aus 1850 – 1920. Aber es gab ein paar interessante Gemälde und Räume.
Neben dem Schloss gibt es einen Fluss und einen schönen Park. Der Fluss hat mich schon ganz schön an die Mosel erinnert, nur kleiner. 





Am Mittwoch ging es dann zur ersten Station, dem „Fair Head“ und der Murlough Bucht in Nord Irland. Der „Fair Head“ ist ein Hügel an der Nordküste bei Ballycastle und nur sehr schwach besucht, daher auch wenig Infrastruktur und alles ist noch relativ natürlich. Im Winter ist gar nichts los, sodass wir nur Schafe und keine Menschen gesehen haben. Und das war auch gut so, dadurch war die Landschaft noch viel beeindruckender und „rauer“. 







 
Ich will ab jetzt zu jeder Landschaft noch ein paar Sätze zur Geologie und Entstehung der Landschaft verlieren und fange mit der Murlough Bucht und dem Fair Head an. Vor 500 Millionen Jahren gab es mehrere kontinentale und ozeanische Platten (Steine), die gegeneinander geprallt sind (konvergiert sind) und so die Hügellandschaft in Irland und Großbritannien kreiert haben. Damals waren diese „Hügel“ so groß wie die heutigen Himalaya. Dabei würde auf die Ton- und Sandsteine so viel Druck aufgebaut, dass sie zu Schiefersteinen zusammengepresst wurden. Diesen ca. 500 Millionen Jahre alten Schiefer sieht man dort immer noch!!!
Im Devon (vor ca. 400 Millionen Jahren), war das heutige Irland in etwa beim Äquator. Bei diesem Tropischen Klima wurde ein großer Teil des Schiefers dann zurück zu Sandsteinen und Konglomeraten (Sedimentiten) verformt. Auch diese 400 Millionen Jahre alten Steine findet man heute noch. Im Karbon (vor ca. 350 Millionen Jahren) war Irland immer noch am Äquator und wegen dem warmen und feuchten Tropenklima wurde aus der verfallenen Vegetation dann Kohle, die heute in der Region um Ballycastle immer noch abgebaut wird.
Im Trias (vor 200 bis 250 Millionen Jahren), war das heutige Irland dann im Gebiet der heutigen Sahara, weshalb es sehr heiß und trocken war. Deshalb ist sehr viel Wasser verdunstet und die Region wurde sehr salzig. Auch Salz wird heute noch abgebaut.
In der Kreidezeit (vor 65 bis 145 Millionen Jahren), hat sich der Meeresspiegel erhöht und das Wetter wurde feuchter (maritimer). Dadurch haben sich „caccolithen“, mikroskopisch kleine und tote Pflanzen, gebildet aus denen sich dann Kalksteine gebildet haben. In Nordirland gibt es sehr viele von diesen weißen Kalkhängen.
Im Paläozen (25 – 65 Millionen Jahre) sind in der Region dann viele Vulkane ausgebrochen und die sehr schnell erkalteten Vulkane haben dann schwarzen Basalt zurückgelassen. Der Basalt ist wahrscheinlich der am stärksten verbreitete Stein und er beschützte den Kalkstein vor Erosion. Alle diese Steine findet man in der Murlough Bucht, näheren Umgebung und an der Nordküste Nordirlands.
Der Fairhead selbst besteht überwiegend aus magmatischem dolerit. Man sieht die Überreste eines sogenannten Lagergangs. Vor ca. 50 Millionen Jahren ist Lava in Risse des ca. 300 Millionen Jahre alten Sandsteins eingedrungen und hat sich Parallel zum Sandstein ausgebreitet. Während der Sandstein über dem Dolerit erodiert wurde und sich immer noch unter dem Dolerit befindet. Ist der Lagergang heute komplett freigelegt. Der Fairhead ist also ein schwarzes magmatisches Gestein.  

      
Die zweite Station war die „Carrick-a-rede rope bridge“. Dort kann man vom irischen Festland über eine Hängebrücke zu einer kleinen Insel. Das Wetter war super und die Landschaft super schön. Aber ich habe ehrlich gesagt gedacht, dass die Brücke etwas größer ist :D. Die Brücke ist so bekannt, dass ich doch leicht enttäuscht war von der Größe. Früher, vor 350 Jahren, haben hier Fischer zwei Seile gespannt um auf die kleine Insel zu kommen um dort Lachse mit Netzen zu fangen. Man hat festgestellt, dass diese Insel auf dem Weg der Lachse zu ihren Leichplätzen liegt und man deshalb dort besonders gut Fischen kann. Wegen der starken Strömung ging das mit den Booten nicht so gut. Heute ist diese Insel eine Touristenattraktion und man hat eine stabile Hängebrücke gebaut. Die Insel entstand aus einem Vulkanausbruch vor ca. 65 Millionen Jahren und besteht, so wie ein großer Teil des Fair head, aus schwarzem magmatischen Dolerit. Wenn man von der Insel aufs Festland guckt, sieht man Steilhänge aus Kalk, die ca. 140Millionen Jahre alt sind. Anscheinend gibt es in dort auch einige Tropfsteinhöhlen, die ich allerdings nicht gesehen habe und es gibt wohl auch keine Führungen in diese Höhlen. 





Und unsere letzte Station in Nordirland waren die weltberühmten Basaltsäulen des Giants Causeway. Ich habe schon vor Jahren die ersten Bilder der Säulen gesehen und wollte, solange ich in Irland bin, unbedingt einmal dorthin fahren. Die Säulen sind ca. 60Millionen Jahre alt, senkrecht und meistens sechseckig. Lava hat damals ein geschlossenes Tal überflutet, sodass die Lava gleichmäßig und nur sehr langsam abkühlen konnte, dadurch konnte sich diese sechseckige Form herausbilden. Ähnlich wenn Matsch langsam austrocknet. Irischen Märchen zufolge, wurden die Steine von einem Irischen Riesen gebaut. Der Irische Riese wurde von einem Schottischen Riesen so sehr beleidigt, dass er mit diesen Säulen einen Weg nach Schottland gebaut hat und den Schottischen Riesen herausforderte. Leider hat das Meer über die letzten hundert Jahre den Weg zerstört. Aber auf der Irischen und auch auf der schottischen Küste, kann man den Anfang und Ende des Weges sehen. Und wegen dieser Geschichte heißt der Ort auch „Giants Causeway“ (Weg des Riesen). 










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