Montag, 23. November 2015

GDI treffen, Kilmainham Gaol, Jobangebot, Lage in den Schulen:

Mittlerweile habe ich mich denke ich ganz gut eingelebt. Die Kommunikation mit meiner Lehrerin und anderen Kollegen passt immer besser und ich habe ein immer besseres Verständnis dafür, was meine Aufgabe in den Schulen ist und wie ich mich einbringen kann. Es braucht halt wirklich immer so seine 2 Monate Zeit bis man sich richtig eingelebt hat. Im Moment sind die Temperaturen so um die 5°C und es regnet fast täglich und es ist sehr windig. Aber das ist kein großes Problem. Ich habe warme Regenkleidung und kenne jetzt die schnellsten Wege zu allen wichtigen Orten. Da ich insgesamt noch nicht ausgelastet bin, habe ich auch bei Gonzaga gefragt, ob ich nicht beim Tischtennistraining mithelfen kann und ich habe mich für einen Fitnesskurs namens Bootcamp angemeldet. Dieses Bootcamp ist total cool! Wir haben einen Trainer der uns die Übungen zeigt und sich dabei wie ein Armee Ausbilder verhält und sehr fit aussieht. Wir sind 50 Leute in einer kleinen Turnhalle und machen ganz schön harte Übungen für Bauch, Beine und Arme. Ich war lange nicht mehr so kaputt wie nach diesem Training!! Es ist sehr gut!
Beim Tischtennistraining habe ich ja erwartet, dass die Schüler ganz gut sind, weil die Schüler dieser Schule gefühlt alles gewinnen. UK Schachmeisterschaft, Frisbee- und Rugby Meisterschaften und die Tennisspieler sind wohl auch ganz gut. Aber naja man merkt schon das Tischtennis hier nicht ganz so beliebt ist wie in Deutschland. Die Ausstattung in Gonzaga ist in allen Belangen super!! Außer die Tischtennishalle, ist keine Sporthalle, das Material schlecht und ich glaube der Trainer kann gar kein Tischtennis :D. Und die Motivation der Schüler ist auch eher mangelhaft. Das war bei uns in Finthen früher anders. Wir wollten immer spielen und besser werden!! Unser Problem war das wir oft nicht geduldig genug waren. Hier muss ich zuerst einmal gucken, dass ich es schaffe die Jugendlichen zu motivieren. Aber es ist schon schön hin und wieder den Schläger in der Hand zu halten und ein paar Bälle zu schlagen :). 
 
Aber ich weiß nicht ob ich in Zukunft 2 Mal die Woche ins Tischtennis gehen kann oder überhaupt gehen kann, da ich einen Nebenjob angenommen habe. Ab nächster Woche arbeite ich als Deutschlehrer in der Grundschule und Kindergarten. Montags und Donnerstags unterrichte ich die 3.-6. Klässler, also 7-12 Jährige Kinder, für 1:15h. Mittwochs habe ich 2 Kindergartengruppen für jeweils 30min und 40min die 1. Klasse. Die jüngsten von denen sind also um die 4 Jahre alt. Gerechnet wird das wohl für 4 ½ oder 5h die Woche und ich bekomme 27-30€/h. Nach kurzem Überlegen, habe ich dann den Job angenommen. 1. Verbringe ich recht viel Zeit alleine am Nachmittag, was schade ist. Jetzt kann ich mich am Nachmittag mit den Kollegen und Schülern in der Grundschule unterhalten. 2. Hilft mir jede Praxiserfahrung später im Referendariat auch wenn es „nur“ Grundschule/ Kindergarten ist und 3. kann ich das Geld gut gebrauchen! Ich habe ja große Pläne für meine Zeit nach Irland. Außerdem hat mir meine Vorgängerin alle ihre Materialien mitgebracht, von daher sollte die Vorbereitung nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber ein bisschen nervös bin ich schon. Meine Vorgängerin, die mir den Job angeboten hat, hat mich mal allen Vorgestellt und mir die Materialien gezeigt und ich bin schon ein wenig erschöpft und überwältigt von den ganzen neuen Infos nach Hause gekommen. Es gibt viele neue Regeln, neue Gesichter und neue Materialien. Diesmal bin ich auch komplett alleine für den Unterricht verantwortlich! In Indien war ich ja eher selten alleine im Unterricht und bei den Jugendlichen bin ich ja auch nur der Sprachassistent. Meine Lebenssituation wird sich in den nächsten Wochen wieder ein Stück weit ändern und ich muss mich jetzt wieder neu anpassen und an das neue Schulsystem und die neue Verantwortung gewöhnen. Aber ich denke am Ende lohnt es sich und ich werde mich freuen, dass ich diesen Job angenommen habe! Die Aufregung vor der ersten Woche ist hoch, aber es wird schon alles irgendwie gut gehen. Noch ein bis zwei Monate in der neuen Schule und dann habe ich mich auch dort eingelebt und habe ein Routine.
Am Samstag war ich dann beim GDI treffen. GDI steht für „Gesellschaft der Deutschlehrer Irlands“ und es war ein Landesweites treffen von Deutschlehrern in Dublin. Dort gab es mehrere Präsentationen von erfahrenen Deutschlehrern, wie man besonders gut Sechstklässler Unterrichtet oder wie man den Computer und Internet benutzten kann, oder verschiedene Spiele wurden vorgestellt. Ich habe durchaus ein paar neue Ideen bekommen, die ich ausprobieren möchte. Ich habe gedacht es wird langweilig, aber es hat sich echt gelohnt dorthin zu gehen. Ich habe dort auch meine Deutschlehrer von Beaufort gesehen und die Elisabeth die mir den Nebenjob organisiert hat und ein paar Leute vom Goethe Institut die ich aus dem Einführungsseminar kenne. Es war ein bisschen lang, aber schön!!
Am Sonntag, war ich mit einer anderen Assistentin beim Museum für moderne Kunst und beim Killmainham Gaol. Das ist ein bekanntes ehemaliges Gefängnis in Dublin. Hier haben die Briten zum einen gewöhnliche Verbrecher hinter „Britische Gardinen“ gebracht, aber auch bekannt Irische „Separatisten“ eeeuuuhhh ich meine Revolutionäre. In dieses Gefängnis wurden viele wichtige Persönlichkeiten eingesperrt die ich auch schon aus dem Friedhof kennengelernt habe. Nur das die Tour beim Friedhof etwas besser erzählt wurde. Dafür war es spannend zu sehen wie das Gefängnis gebaut wurde und wie die Häftlinge gelebt haben. Während die meisten unter sehr schwierigen Bedingungen gelebt haben, hatte zum Beispiel ein hoher Irischer Politiker ein sehr großes und schönes Zimmer mit Dekoration. Er hatte oft Besuch von draußen und hat sich zum Abendessen oft etwas von Noblen Restaurants bestellt. Besonders schockierend fand ich die Strafen die viele Menschen während der großen irischen Hungersnot von 1845 bis 1852 bekommen haben. Da haben einige Leute mehrere Monate Gefängnisaufenthalt bekommen, weil sie aus Verzweiflung versucht haben ein Brot zu klauen. Wobei sie im Gefängnis auch gesagt haben, dass das Gefängnis für einige vielleicht sogar die Rettung war. Schließlich hat man dort jeden Tag etwas kleines zu Essen bekommen. Es war auch interessant das einige für die selbe Straftat sehr unterschiedliche Urteile bekommen haben. Für das Brot gab es alles von ein paar Wochen bis ein paar Monaten. Auch spannend fand ich, dass die Briten zwischen 1787 bis 1857 viele Sträflinge zu Sträflingskolonien nach Australien deportiert haben. Dabei war es so, dass man irgendwann angefangen hat Frauen für leichte Straftaten nach Australien zu schicken, weil es dort einen zu großen Männerüberschuss gab.





Das Museum für moderne Kunst war wie die meisten moderne Kunst Museen eher lustig als spannend. Es ist immer wieder witzig zu sehen, was als Kunst gilt. Wir waren auch nur da, weil wir für das Gefängnis noch 2 Stunden warten mussten. Es gab zum Beispiel ein Video von zwei nackten Männern, wie sie für 20min zusammen im Bett lagen, sich danach angezogen haben, 20min still nebeneinander saßen, sich danach wieder ausgezogen haben und 20min nackt im Bett lagen. Die haben das über 5 Stunden gemacht und per Video aufgenommen!! Und so etwas landet dann im Museum... Ich habe hier noch ein paar Fotos von lustigen Kunstwerken. 






Naja nächste Woche gibt’s dann den Beitrag zu meiner neuen Arbeitsstelle. Mal sehen wie die erste Woche abläuft.
Gruß

Donnerstag, 19. November 2015

Die wunderbaren Herbstferien und die Woche davor


Die Woche vor den Herbstferien war doch schon besser als die vorherige. Ich habe einfach mal ein paar Gespräche so in der Mitte unterbrochen und gefragt worum es geht und wurde dann auch ins Gespräch mit den Kollegen integriert. Ich mache das jetzt hin und wieder, dann kann ich mich auch besser integrieren denke ich. Dann habe ich mir für die 2. und 3. Klasse ein paar Bilder von Promis heruntergeladen und die Stunde mit den Bildern aufgebaut. Das war schon interessanter, aber immer noch ein wenig langweilig. Ein Schüler der 3. Klasse hat noch zu seinem Nachbarn „Langweilig“ geflüstert. Das war dann nicht so schön, aber es war schon besser und ich weiß auch schon was ich nächste Woche mache. Die Kommunikation lief jetzt auch schon besser. Ich habe der Lehrerin meinen Plan per E-Mail geschrieben und sie hat mir ihre Anmerkungen zurückgeschickt. Immerhin gibt es jetzt Kommunikation auch wenn ich E-Mail noch ein wenig umständlich finde. Ich werde versuchen sie Donnerstag nach dem Unterricht zu erwischen und kurz persönlich besprechen welche Themen drankommen sollen. Es ist also noch nicht perfekt aber auf jeden Fall besser :).
Am Mittwochabend haben ein paar Schüler der 6. Klasse ein Theaterstück aufgeführt. Und zwar das Stück „The Importance of Being Earnest“ geschrieben vom Weltberühmten irischen Schriftsteller Oscar Wilde. Oscar Wilde war einer der bedeutendsten Schriftsteller der englischen Literatur der, in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts gelebt hat. Die Schüler haben das Stück UNGLAUBLICH gut gespielt!! Ich war sowas von beeindruckt!! Einer der Hauptrollen hatte übrigens auch der Schüler von mir, der so super gut Deutsch kann. Leider habe ich nicht viel vom Stück verstanden weil sie in „Oscar Wilde“ Englisch geredet haben und das für mich einfach zu schwer war. Aber naja ich habe schon verstanden worum es geht, nur nicht jeden Witz und jedes Gespräch. Mein Schüler, hatte in ca. 2 Stunden Spielzeit nur 2-3 kleine Versprecher drinnen und die anderen sogar gar keinen!!! Die Körperhaltungen, Betonungen und Bewegungen haben eigentlich immer gepasst!!! Also ich war super beeindruckt. Ich war auch sehr beeindruckt vom Theater an sich! Das war echt ein super schönes Theater bei dem man von jedem Sitzplatz aus alles sehen konnte und bequemer gesessen hat als in jedem Kino. Dazu kommt die Super Ausstattung für das Bühnenbild und Kostüme. Also absolut super!!

Feriiieeeeennnn!!!!! Ja die Ferien waren sogar genau so gut wie das Theaterstück :D!! Ich hatte besuch aus Leipzig und dann haben wir uns ein Auto gemietet und sind zum Westen gefahren. Unsere erste Station war der Killarney Nationalpark. Der Park ist sehr groß und schön. Wir haben am ersten Tag eine 15km Wanderung durch den Park gemacht und haben die vielreiche Flora (Pflanzen) bewundert und natürlich den großen Lough Lane See in der Mitte des Parks und den kleineren Muckross See. Killarney ist einer der größten noch erhaltende Eichenwälder Irlands aber hat wie gesagt noch viel andere Vegatation. 








Diese Wanderung war schon ganz cool, aber richtig super war dann die nächste Wanderung auf den Mangerton Mountain, einen ca. 800m hohen Berg. Dieser Weg ist nur sehr schwach ausgebaut und es gibt auch kaum Werbung für den Berg bei den Reiseführern und den Touristenzentren. Daher sind wir beim kompletten Auf- und Abstieg nur 5 weiteren Menschen begegnet und ca. 20 Schafen. Der Weg ist zwischendurch verschwunden und wieder aufgetaucht, sodass man ab und zu am Bach oder schlammigen Boden entlanglaufen musste. In der Höhe war es relativ kalt und 800m sind schon nicht ganz so leicht. Aber die Anstrengungen haben sich gelohnt!! Die Aussicht war fantastisch und es macht auch Spaß alleine so im Matsch und beim Bach entlang zu laufen. Unter anderem genau wegen diesen Landschaften bin ich doch nach Irland gefahren!!! Witzig war auch das ich erst ein paar Tage vorher den Kinofilm „Everest“ gesehen habe, bei dem eine Gruppe Menschen stirbt bei dem Versuch den Mount Everest zu besteigen. Ein paar Mal musste ich schon an diesen Film denken auch wenn ich natürlich nur 840m hochgestiegen bin und nicht 8,800m :D.






 

Am nächsten Tag ging es zum absoluten Highlight der Tour, den Weltberühmten „Kliffs of Moher“!! Das war vielleicht beeindruckend!!! Wahnsinn!! Da denkt man, man hat schon viel gesehen, aber das kommt in die Top 10 der beeindruckendsten Orte die ich bis jetzt gesehen habe. Es ist ein langer Weg entlang der Steilklippen der irischen Atlantikküste. Die Klippen sind zwischen 120 und 200m hoch und haben eine Länge von ca. 8km. Wir hatten in der Vorlesung zur physischen Geographie auch ganz kurz besprochen wie solche Steilhänge Zustandekommen und ich habe es zwar schon damals verstanden aber jetzt konnte ich es mit eigenen Augen sehen und musste es mir nicht nur vorstellen. Das Meer erodiert (also trägt ab), so viel vom unteren Teil des Hangs, bist der obere Teil irgendwann abbricht und man so einen steilen Hang bekommt. Es ist ein bisschen traurig, aber in ein paar hundert, vielleicht tausend Jahren wird es die „Cliffs of Moher“ so in dieser Form wohl nicht mehr geben. Ich werde bestimmt noch einmal eine Bus Tour oder so dorthin machen. Vielleicht noch einmal zum Abschluss meiner Zeit, den es mein Lieblingsort bis jetzt.









       
Danach ging es weiter zum Connemara Nationalpark. Connemara ist ein etwas verschlafenes Gebiet im Nordwesten Irlands bei dem überwiegend Irisch gesprochen wird. Viele etwas wohlhabendere Eltern schicken einmal ihre Kinder über die Sommerferien nach Connemara, damit sie dort Irisch lernen. Die Kinder leben dann dort in einer Gastfamilie in der ausschließlich Irisch gesprochen wird. Im Ort unseres Hostels „Letterfrack“ sind wir so gegen 20:00 Uhr angekommen und es war schon alles stockdunkel und die Straßen waren wie leergefegt. Man hatte den Eindruck das es schon 2 Uhr nachts war, aber so ist das halt auf dem Land :D. Im Connemara Nationalpark haben wir bei traumhaftem Wetter eine weitere, diesmal etwas kleinere Wanderung gemacht und auch hier die Landschaft genossen. Wie man auf den Bildern sieht, gibt es bei diesem Nationalpark keine Wälder sondern eher, ich sage mal eine etwas nackte und kalte Landschaft, die aber trotzdem sehr schön anzusehen ist. Nach der Wanderung sind wir ins Auto gestiegen und haben das ganze Gebiet und die Nachbardörfer mit dem Auto erkundet. Es war ein sehr romantisches, ruhiges und verschlafenes Gebiet an der Atlantikküste. Wir haben hin und wieder mal das Auto geparkt uns an der Küste hingesetzt, Chips gegessen und uns den Sonnenuntergang angeguckt.











 

Am letzten Tag der Reise, haben wir uns die größte Stadt im Westen, Galway angesehen. Galway ist eine Hafenstadt im Atlantik und eine beliebte Studentenstadt. Galway hat mir auch sehr gut gefallen. Es gibt eine sehr schöne Promenade am Atlantik ein paar wenige aber coole Kanäle und eine zwar ganz schön kleine aber schöne Altstadt. Wir haben dort an einem Preisgekrönten Fish n Chips Restaurant Pommes gegessen und waren sowas von zufrieden. Pommes finde ich tatsächlich hier in Irland allgemein besser als bei uns in Deutschland. Hier schmeckt man noch richtig raus, dass Pommes aus Kartoffeln gemacht sind und die werden hier meistens nicht so stark frittiert wie in Deutschland. Außerdem gibt es hier und in Großbritannien eine wichtige Zutat die es bei uns nicht gibt. Essig!! Die Leute Essen die Pommes hier eher weniger mit Soßen wie Mayo oder Ketchup sondern mit Salz und Essig und das schmeckt. Essig sollte man bei uns auch einführen. Ansonsten waren wir in Galway noch bei so einem kleinen „Hippi“ Markt in einer Nebenstraße. Dort wird Handwerk, selbst gemachte Schokolade und Wollkleidung verkauft. Die Schokolade war sehr gut.







Zu guter Letzt muss ich noch ein Wort über die Zeit im Auto verlieren. In Irland fährt man ja auf der linken Seite und Irische Autos haben ihr Lenkrad auf der rechten Seite. Das heißt man muss anders Rückwerts einparken als gewohnt, die Gangschaltung wird mit der linken Seite bedient und man überholt rechts. Das alles ist ja noch schön und gut, aber abenteuerlich wurde es dann auf den sehr engen Landstraßen bei Regen und man neigt als „Kontinentaler“ besonders bei Gegenverkehr zu weit links zu fahren und parkende Autos zu zerkratzen. Deshalb bin ich im Durchschnitt bestimmt 30km/h langsamer gefahren als eigentlich erlaubt :D. Ich glaube nur die Iren fahren bei diesen engen und kurvenreichen Straßen wirklich80km/h :D.