Sonntag, 14. Februar 2016

St. Clairs, Bray, Kobold- und Whiskey Museum


Die ersten zwei Wochen in St. Clairs waren ganz schön chaotisch. Ich wurde mit sehr vielen neuen Eindrücken, Materialien, Kollegen und Schülern konfrontiert. Die Kollegen scheinen alles ganz nett zu sein, aber ich wurde hier nicht ganz so freundlich willkommen geheißen wie in Beaufort oder Gonzaga. Man hat hallo gesagt, mich zur Kenntnis genommen und Hilfe angeboten wenn ich mal „Verzweifelt“ bin. Ich habe so das Gefühl, dass einige erwarten, dass ich wie das Mädchen vor mir nach 3 Wochen einfach nicht mehr komme. Aber ich komme jetzt schon seit 2 Wochen motiviert und gut gelaunt zur Arbeit und habe nicht vor frühzeitig aufzuhören. Und ich glaube so langsam verstehen alle, dass ich dieses Jahr durchziehe.

Berühmt berüchtigt in St. Clairs ist die Rektorin. Diese Frau hat schon jetzt von mir persönlich den Spitznamen „der Diktator“ bekommen :D. Sie ist die absolute Autorität in der Schule und die Schüler werden auf einmal ganz leise wenn sie sie sehen. Wenn ich in Beaufort oder Ganzaga sage, dass ich jetzt zusätzlich in St. Clairs arbeite, dann heißt es immer, „Ja ich habe von der Rektorin gehört“. Bei ihr ist Disziplin das wichtigste und das merkt man auch :D. Aber letzten Donnerstag hat sie sogar mal kurz gelächelt!!
Die Kinder in der Schule sind total anstrengend. Die Montagsklasse (8-12 jährige) sind sehr unruhig und 5 der 15 Schüler haben entweder keine oder sehr wenig Lust auf den Deutschunterricht. Und das obwohl er freiwillig ist.... aber vielleicht wurde der ein oder andere zum Deutschunterricht überredet bzw. gezwungen. Aber ich bin optimistisch, dass montags noch besser wird. Das eigentliche Problem sind die Kindergartenkinder am Mittwoch. Auf einmal habe ich einen Riesen-Respekt vor Kindergartenerziehern!!! Das sind keine süßen kleinen Engel, sondern freche kleine Teufel!! Ich habe noch null Unterricht zustande gebracht in zwei Unterrichtsstunden. Besonders die Erstklässler nach dem Kindergarten weigert sich komplett. Am Mittwoch versuche ich mal mit mehr Bildern zu arbeiten... Vielleicht klappt das ja besser. Die Donnerstagsgruppe (wieder 8-12 jährige) macht Riesen-Spaß!!! Die sind motiviert und haben selber Spaß am Unterricht. Die hören auf mich und mit ihnen ist es möglich interessanten Unterricht zu gestalten. Wenn ich die Montagsgruppe. Wenn ich die Montags und Mittwochsgruppen ähnlich motiviert bekomme bin ich sehr zufrieden. Interessant finde ich auch die Routine nach jeder Stunde. Die Schüler stellen sich alle in einer Linie auf und gehen zusammen zum Schultor, wo sie von den Eltern abgeholt werden.






In den anderen Schulen fühle ich mich sehr wohl und dort läuft alles super. In Beaufort gebe ich jetzt 1. Mal die Woche 3 Mädels Privatunterricht. Darauf freue ich mich schon. In Gonzaga sind die 2 und 3. Klässler im Moment sehr angenehme Klassen. Die 4 Jungs aus der 6. Klasse sind top motiviert, lernen fleißig und stellen viele Fragen. Sie lernen sehr viel im Moment und ich denke, dass ich bei ihnen auch eine echte Hilfe bin und ihren Wortschatz erweitern kann. Die 4. und 5. Klasse sind im Moment das einzige, kleine Problem... die haben keine Lust irgendwas zu machen und schlafen zu viel. Mal gucken ob ich interessantere Themen finde.
Ansonsten war ich in den letzten zwei Wochen noch in der Stadt Bray. Sie ist 1h von Dublin entfernt und hat sogar einen schönen Strand bei dem im Sommer sogar Menschen schwimmen. Angeblich zumindest. Was ich auch schön fand waren die vielen kleinen Gassen mit kleinen Cafés und Restaurants. An diesem Tag hat an einem dieser Cafés eine Frau, ein paar irische Geschichten erzählt. Die Frau hat erzählt, dass Feen und Kobolde keine süßen kleinen Wesen sind, die Glück bringen, sondern gefährlich sind und die Iren haben vor dem Christentum durchaus an ihre Existenz geglaubt. Die Iren hatten früher Angst und Respekt vor den Feen und Kobolden bis sie irgendwann zu Christen geworden sind. Die Irischen Emigranten haben dann Feen und Kobolde nach Amerika gebracht und dort hat man dann, wahrscheinlich aus kommerziellen Gründen, diese Wesen zu süßen und romantischen Kreaturen gemacht. Die Geschichten über die Kobolde waren oft recht gewalttätig (so wie die meisten Grimm Märchen eigentlich auch) und hatten oft einen Sinn (aber nicht immer). Zum Beispiel, sind Feen und Kobolde vor allem nachts und im Wald aktiv. Deshalb sollte man am besten nachts nicht mehr rumlaufen und schon gar nicht in den Wald weil das gefährlich ist. Die Frau hat das sehr spannend erzählt und hat mich motiviert, die Woche darauf ins Koboldmuseum zu gehen.





Das Koboldmuseum war mit 15€ Eintritt zwar ein bisschen teuer, aber ich denke es hat sich gelohnt. Die Tour ging durch verschiedene Räume die alle aufwändig gestaltet wurden und unser Führer und Geschichtenerzähler war sehr witzig und hat uns noch ein paar spannende Geschichten über Feen und Kobolde erzählt. Wenn ich wieder Zeit habe, muss ich die mir mal alle aufschreiben!! Ich hatte leider kein Akku mehr, sodass ich keine Fotos machen konnte... aber ich hoffe, dass ich naher noch ein paar Fotos von meinen Freunden bekomme.
Zu Schluss war ich noch im Whiskey Museum. Hat auch 15€ gekostet, war aber nicht ganz so toll wie das Kobloldmuseum. Auch hier gab es eine Tour mit relativ aufwendig gestalteten Räumen, aber naja Whiskey ist eben nicht so spannend wie Feen und Kobolde. Whiskey wurde in Irland erfunden und bedeutet Wasser des Lebens. Ausgesprochen wird es auf Irisch eigentlich ganz anders, aber die Engländer wussten nicht wie man es richtig ausspricht und haben es Whiskey ausgesprochen. Der erste Whiskey wurde von Mönchen versehentlich hergestellt. Ein Mönch der in der arabischen Welt versucht hat die Menschen dort zu Christen zu bekehren, hat dort die Wasserpfeife/Shisha entdeckt und versucht mit einem ähnlichen System Bier zu erhitzen damit er im Winter in Irland sozusagen „Glühbier“ trinken konnte. Dabei hat er wohl versehentlich den Alkohol aus dem Bier verdampft und so Whiskey hergestellt. Interessant fand ich auch noch eine andere Geschichte. Als die Briten angefangen haben eine Alkoholsteuer einzuführen, haben viele Iren ihren eigenen Whiskey hergestellt. Leider ist das nicht so einfach und kann sehr gefährlich sein. Je nachdem wie man es macht, bekommt man guten unbedenklichen Whiskey und wenn man es nicht so gut macht kann man Blind werden oder für ein paar Tage ins Koma fallen. Deshalb, wenn jemand ins Koma gefallen ist, hat man geglaubt, dass die Person gestorben ist und sie in ein Grab gelegt. Man hat dann ein paar Tage gewartet und falls die Person aufgewacht ist, hat man sie aus dem Grab raus geholt. Leider hat man nicht immer lange genug gewartet, sodass einige Menschen unter der Erde aufgewacht sind und dann erstickt sind. Einige Grabschänder, die vor ein paar hundert Jahren viele Gräber zu medizinischen Zwecken geöffnet haben gezeigt das bei einigen Gräbern die Leute aufgewacht sind und mit den Fingernägeln versucht haben das Grab wieder zu öffnen.
Nach der Geschichtsstunde haben wir dann auch 4 verschiedene Whiskey probiert. Whiskey trinkt man anscheinend warm und man nimmt immer nur ganz kleine Schlucke damit man den Geschmack bekommt und nicht nur den Alkohol. Ich bin kein Fan von Whiskey. Whiskey verbinde ich dann immer mit reichen Leuten die Zigarre rauchen, hier und da einen kleinen Schluck Whiskey und sich dabei sehr wichtig fühlen. Ich gehe lieber in den Pub und trinke Guinness. 






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